Der Berg im Schritttempo – auf dem Weg zur Natürlichkeit

Wandern und Klettern – gerade im Sommer, in den Urlaubszeiten, versprechen und halten diese Outdoorerfahrungen eine Abwechslung vom Alltag, eine Neuorientierung auf die Langsamkeit und die sinnliche Wahrnehmung und auch eine Sensibilisierung auf eine neue Art des Miteinanders. Die Bewegung im eigenen Schrittempo lässt den Menschen wieder zur eigenen Natürlichkeit zurückfinden, die im bequem gehaltenen Alltag verloren geht. So sind auch in strategischen Abständen Campingplätze an Wanderwegen angeordnet, so dass durchaus auch Wochen- und Monatstouren möglich sind. Menschen, die auch über das Jahr regelmäßig auf ihre Fitness, Ernährung und Sportlichkeit wert legen, sind gemeinhin in der Kondition, eine solche Wandertour in Gebirgsnähe bzw. gar in der Alpenregion zu unternehmen. Ein Teil der Herausforderung besteht hier im Klettern. Dieses ist – wie das Wandern auch – für alle Altersstufen möglich; Touristenvereine vor Ort wissen, welche Route, welche Anhöhe und welcher Bergabschnitt für welche Alters- und Fortgeschrittenenstufe geeignet sein kann. Ebenfalls bieten sich auch Bergführer an: Diese sind auch Ansprechpartner für den Inhalt eines ordentlich gepackten, nicht zu schweren, aber sinnvoll ausgestatteten Rucksacks.

Therapie für Körper und Geist: Der Berg ruft zur Gelassenheit

Es wird immer wieder davon abgeraten, für jedes – auch depressive – Unwohlsein chemische Lösungen zu nutzen. Die Selbsterfahrung, das Ausmessen der eigenen Grenzen, Erfolgserlebnisse und die ursprüngliche Nähe zur Natur stärken nämlich insbesondere auch beim Klettersport das Selbstbewusstsein und fördern auch das körperliche Belastungsvermögen. Bewegungsabläufe werden für die unterschiedlichsten Muskelgruppen aktiviert, dreidimensional muss sich der Kletterer auf seinen Weg konzentrieren. Alles geschieht im Wissen, dass es oft für einen falschen Schritt keine zweite Chance gibt – Unsicherheiten verschwinden aus dem Verhalten der Beteiligten während der Kletteraktivitäten. Dies wirkt sich auch auf die Zeit nach dem Urlaub aus: Selbstsicherheit und das Wissen, mehr geschafft zu haben, als man vorher geahnt hätte, lassen auch den Alltag in einem völlig anderen Licht erscheinen. Herausforderungen in der Berufswelt erscheinen nach einem Camping- und Kletterurlaub leichter machbar. Doch die körperliche Komponente ist ebenso von langfristiger Natur: Die Bewegungsfähigkeit bleibt bis ins hohe Alter erhalten, auch Krankheiten, die sonst die Mobilität beeinträchtigen würden, können durch diese Art der Urlaubs- oder auch Wochenendgestaltung in ihrer Symptomatik nahezu vollständig zurückgedrängt werden. Arthritis ist nur ein Beispiel: Je mehr sich ein Patient bewegt, desto weniger entzünden sich die Gelenke. Diese werden gerade beim Klettern in Bezug auf den gesamten Körper beansprucht.

Körperbeherrschung auf erschlossenen Touren

In der heutigen Zeit sind alle interessanten Kletterwege erschlossen. Diese sind mit Geländern, Seilen oder Bohrhaken abgesichert und auch mit Warnhinweisen ausgestattet. Dennoch ist es wichtig, Klettervereine zu konsultieren und möglichst an Gruppenveranstaltungen teilzunehmen. Sollte nämlich trotz allem etwas geschehen, kann im Personenverbund schneller Hilfe geholt werden. Klettern hat einen ähnlichen Nutzen wie Yoga. Auch beim Klettern können die Bewegungsabläufe nur mit einem hohen Quantum an Konzentration und einer eintrainierten Körperbeherrschung ausgeübt werden. Sportkletterer bewahren ihre Feinmotorik bis ins hohe Alter, die Gelenkigkeit bewährt sich in jeder Alltagssituation. Bergsteiger, die sich vor Antritt ihrer Tagestour mit Yoga-Übungen aufwärmen, vermeiden es, über den Tag hinweg viele Pausen einlegen zu müssen. Ebenso gilt: Alles, was an Kraftnahrung benötigt wird, wird in Obst- und Gemüseabteilungen verkauft.

Klettern: Gemeinschaftserfahrung in allen Altersstufen

Grundsätzlich gilt also: Ein Urlaub, bei welchem Naturnähe und Grenzerfahrung sich verbinden, bringt der persönlichen Gesundheit mehr, als zwei Wochen nur am Strand zu verbringen. Der aufrechte Gang, die Schrittgeschwindigkeit und die Beanspruchung aller Gelenke und Muskeln nutzt das Potential des menschlichen Körpers optimal aus, stärkt die Konditionierung und verändert die Einstellung zum beruflichen Arbeitsalltag. Wie für das Wandern selbst, so gibt es auch für das Klettern eine Vielzahl von Einführungskursen am Volkshochschulen oder auch bei Touristenvereinen. Auch eine gesamte Familie kann in unterschiedlichen Altersstufen so geeignete Routen, Gruppen oder Wegbeschreibungen für sich selbst erschließen. Die Gruppenerfahrung des Kletterns, Campens und Wanderns prägt die Beziehungen der einzelnen Tourmitglieder auf eine völlig neue Art und Weise – man lernt sich in teilweisen Extremsituationen neu kennen, muss sich völlig aufeinander verlassen können und kann sich bei tatsächlich geringfügigen Missverständnissen oder Unstimmigkeiten nicht wirklich aus dem Weg gehen, ohne den Rest der Gruppe möglicherweise zu gefährden. Im Team werden Entscheidungen getroffen – Kompromissbereitschaft, Toleranz und Ausdauer werden zu lebenswichtigen Tugenden, wenn die Gruppe sich in weiter Entfernung zu anderen Menschen befindet.

Klettern und Nachhaltigkeit: Die Haltung zur Umwelt wird bewusster

Weiterhin: Die Erfahrung der Natur im wörtlichen Sinne am eigenen Leib spüren zu können, hat eine gewissermaßen entschleunigende Wirkung. Wer aus einem solchen Urlaub an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, wird sich nicht mehr über Gebühr zu Vorgängen und Schnelligkeiten drängen lassen, die nicht im Rahmen der eigenen Möglichkeiten liegen. Ein höherer Grad an Gelassenheit, Ausgeglichenheit und Souveränität (die beim Klettern notwendig sind) lässt sich auf das berufliche Handeln übertragen und hat einen höheren Erfolg im Beruf zur Folge. Kletterer (und allgemein Outdoor-Freizeitgestalter) haben ein intensiveres Naturempfinden und setzen sich auch bei kleineren Alltagshandlungen für die Umwelt ein.

Tags: , ,

Die Kommentare sind geschlossen.